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Sommer 2011


06.10.2011 Dom zu Köln 20:00 Uhr
Faszination Mehrchörigkeit - Im Rahmen des 19. Zyklus der Chorkonzertreihe:

Geistliche Musik am Dreikönigenschrein

Giovanni Gabrieli
- Exaudi mei, Domine
- Plaudite omnes Terra
- Hodie completi sunt

Orlando di Lasso
- Domine, quid multiplicati sunt

Romantisches Werk
- N.N.

Heinrich Isaak
- Agnus Dei aus der Missa virgo prudentissima

Konzert gemeinsam mit dem Kleinen Chor Köln
Einstudierung Andreas Meisner
Gesamtleitung Beorg Bours


Sonntag, 09.10.2011, Altenberger Dom 14:30 Uhr
Faszination Mehrchörigkeit

Wie Köln aber eventuell mit Kürzungen. Bitte beachen Sie die Tagesansage.
Konzert gemeinsam mit dem Kleinen Chor Köln
Einstudierung Andreas Meisner
Gesamtleitung Beorg Bours

Frühjahr 2011

07.05.Samstag 20:00 Uhr
- Konzert in der Basilika -
St.Aposteln Köln Neumarkt

Josquin des Prez
- Missa De Beata Virgine

Francis Poulenc
- Messe en Sol Majeur (1937)

Don Carlo Gesualdo, Principe di Venosa
- Responsoria et alia ad Officium Hebdomadae Sanctae spectantia" (6-stimmig) - Sepulto Domini-
Responsorien für die Karwoche, Matutin des Karsamstag, Dritte Nokturn, Responsorium Nr. 9.
- Ave dulcissima Maria

Heinrich Schütz
- Ach Herr strafe mich nicht in deinem Zorn
- Wie lieblich sind Deine Wohnungen


08.05. Altenberger Dom, 11:45 Uhr
Eröffnungskonzert der Geistlichen Mittagsmusik 2011
Chormusik der Jahrhunderte
Programm wie Köln, aber gekürzt. Siehe besondere Tagesankündigung


26.06. Christi Verklärung
Musikalische Gestaltung der Katholischen Messe 11:00
Taborplatz 6
50767 Köln (Heimersdorf)

Josquin des Prez
- Missa De Beata Virgine

Musiknacht 2010

Kölner Musiknacht

25.09.2010 21:00 Uhr, Herz-Jesu-Kirche (Zülpicher Platz)

Mit seinem Beitrag zur Musiknacht Köln breitet der Kölner Kammerchor unter Leitung von Georg Bours klangsinnliche Meisterwerke der tönenden Marienverehrung der frühen Neuzeit aus.

Dufays mystisches Ave regina coelorum verbindet spätgotische Marienminne mit dem Individualismus der frühen Renaissance, während sich Gesualdos Ave dulcissima Maria in die beinahe erotische Marienverehrung des Frühbarock stürzt.

Josquin Desprez Missa Beata Virgine stellt ein ganzes Ordinarium unter den Schutz der Jungfrau und integriert einen Marienhymnus in sein Werk.

Traum und Gebet



Traum und Gebet:

6.6. Bonn-Pützchen, Sankt Adelheidis, 18:00 Uhr
13.6 Bad Honnef, Sankt Johhan Baptist 16:30 Uhr

M.Reger: Unser lieben Frauen Traum
Agnus Dei
Fr. Poulenc: Messe
C. Hagius: De profundis clamavi
C. Gesualo: Ave dulcissima Maria
A. Bruckner: Ave Maria
Fr. Poulenc: Salve Regina
Fr. Poulenc: Messe
I. Pizzetti: Tre Compositioni Corali
F. Mendelssohn Oh wunderbares tiefes Schweigen
E. Elgar: Go song of mine

Traum und Gebet - unter dieses einander bald widerstrebende, bald ergänzende Begriffspaar stellt das Ensemble ForumVocale Köln unter der Leitung von Georg Bours sein neues Programm:

Gerade im Marien-Kult verschwindet oft die schmale Grenze zwischen Transzendenz und Trance.
So schwingen sich auch die Komponisten von Marien-Hymnen vieler Jahrhunderte (z.B. Gesualdo, Bruckner, Reger) in die lichten Höhen traum-hafter Klänge.
Romantische und nach-romantische Meister (Mendelssohn, Elgar, Pizzetti) beschwören die seelenheilenden Wirkungen der Natur und der reinigenden Kräfte der Musik. Pizzetti gibt aber auch den albtraumhaften Gesichten Jesajas und Jeremias ergreifende Klanggestalt. Rahmen und Zentrum des Programms, Poulencs G-Dur-Messe, changiert scheinbar unbewusst zwischen Askese und Extase, Gregorianik und Expressionismus, Archaik und Klangmystik.

Marianische Vesper



MARIANISCHE VESPER

Konzert: 6.2.10 ,19.00

Cl.Monteverdi: Deus in adjutorium
Dixit secondo
O.di Lasso: Confitebor tibi Domine
Cl. Monteverdi: Nisi Dominus
Lauda Jerusalem
Ave maris stella
G. Dufay: Ave Regina Coelorum
Cl. Monteverdi: Magnificat (6-stimmig)

Monteverdi Marienvesper

Claudio Monteverdi
Vespro Della Beata Vergine (Marienvesper)

Samstag, 07.11.2009 20:15 Uhr St. Aposteln Köln, Neumarkt
Sonntag, 08.11.2009 14:00 Uhr Dom zu Altenberg aus Anlass der 750 Jahrfeier des Altenberger Doms.

Ingrid Schmithüsen, Sopran
Maria Jonas, Sopran
Achim Kleinlein, Tenor
Jörg Nitschke, Tenor
Michael Mogl, Tenor
Eric Sohn, Bass
Vinzenz Haab, Bass

Consortium Musica Sacra Köln

In Kooperation mit dem Kleinen Chor Köln
Forumvocale Köln
Einstudierung Georg Bours
Gesamtleitung Andreas Meisner

Carmina – Konzerte mai 2009



Carmina! das Ausrufezeichen mag es erahnen lassen: die Lieder und Gesänge dieses Programms sollen den Sängern Ansporn, den Lauschenden beherzte Aufmunterung sein zu einem eher wilden Reigen der Gefühle, Stimmungen, Genüsse, Eindrücke und Entdeckungen.
Durch zwei Drittel des Abends führen uns Stücke aus Carl Orffs Carmina Burana, den klang-sinnlichen, saftig-deftigen, aber auch hinreißend zarten Vertonungen mittellateinischer und mittelhochdeutscher Gedichte, gesammelt in süddeutschen Klosterstuben des 13. Jahrhunderts. Dazwischen lauschen wir, wie sich eine ungarische Waldesnacht und ein Morgen mit ländlichem Einschlag in den Klangimpressionen György Ligetis von 1955 anhören.
Der erste Programmteil entlässt mit Freß- und Saufliedern in die Pause: Echte und parodierte Kontrapunktik des 15. und 16. Jhdts. Bonum vinum, Vitrum nostrum, derb-komischer Meistergesang Audite nova, Zechkanons und bierselige Rundgesänge aus den Ale-Houses des elisabethanischen England sowie der Gang eines Nürnbergers über einen Kölner Markt um 1600 machen Appetit auf handgreifliche Speis und Trank.
Was wäre indes besingenswerter als die Liebe? Orffs Carmina huldigen ihr in Tänzen, sanften Reigenliedern, motorischen Anfeurerungsrufen und frechem Jauchzen. Die Madrigale des zweiten Programmteils bringen weitere Aspekte zum Klingen: Verlangen und Verzicht, unerwiderte Empfindungen, vergebliches Hoffen, Sehnsucht und Zorn der kunstreichen Renaissance- und Barockdichtung übersetzen Claudio Monteverdi und Alessandro Scarlatti als affektkundige Meister der Oper ihrer Zeit ergreifend in Musik. Auf ihre literarischen Vorlagen und ihre Klangwelt beziehen sich die FireSongs des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Morten Lauridsen, ohne indes in einer Stilkopie zu verharren. Lauridsen ordnet seine modernen Madrigale einem verknüpfenden Motiv, eben dem des Feuers unter; ein Verfahren, das es auch schon im klassischen Madrigal mit Zyklen zu Themen wie Küsse, Augen, Hände, Tod, Hirten- und -Nymphen etc. gab.
Auf die Ebene des Liedes kehren wir abschließend mit Goffredo Petrassis Nonsense zurück. Er ließ sich in den 1950er Jahren einige der grotesk-hintersinnigen Limerick-Gedichte des Briten Edward Lear ins Italienische übersetzen und formte aus diesen Versen humoristische Chorlieder, in der die stolperfallenreiche Metrik und Rhythmik , Motive der Slapstick-Filmmusik und allerhand launige Klangmalerei den gereimten Absurditäten das Klanggewand verleihen. Markus Goecke

Brahms Reqiem – Konzert 02.11.2008



Johannes Brahms;
Ein deutsches Requiem, (in der Londoner Fassung zu zwei Klavieren) und
Motette op. 72, 1 Warum ist das Licht gegeben
Aufführung am 02.11.2008 (Allerseelen) in St. Aposteln, Köln Neumarkt 19:00 Uhr

Die Motette op. 74 Nr.1 entstand in seinen Wiener Jahren, zwischen der 2. Sinfonie und dem Violinkonzert. Bezeichnenderweise ist sie Philipp Spitta gewidmet, dem Verfasser der wenige Jahre zuvor erschienenen bedeutenden Bach-Biographie. So verwundert es nicht, dass der 45-jährige in seinem um die alttestamentarische Figur des schwer geprüften Hiob kreisen-den Werk die polyphonen Techniken der alten Meister mit der modernen Tonsprache und ihrer durch expressive Chromatik angereicherten Harmonik verknüpft.
Der noch vierstimmige erste Satz setzt die Klage des Protagonisten in Musik, der den Tod herbeisehnt und wünscht, er wäre nie geboren. Während der zweite Satz Jeremia zitiert (Klagelieder 3,14), greift der dritte die Hiob-Thematik explizit wieder auf, diesmal aus neutestamentarischer Sicht. (Jak. 5,11) Die Änderung der Blickrichtung im zweiten Satz, weg von der zuvor so eindringlich beklagten Niedrigkeit des eigenen Elends - aufwärts und gen Himmel - erfährt ihre musikalische Umsetzung in der wiegend sich emporschwingenden Melodik zunächst der vier Oberstimmen in ihrer eng geführten Imitation, wobei die Wiederholung dann in die volle Sechsstimmigkeit mündet. Hier wie am Ende des dritten Satzes, das zu den Worten denn der Herr ist barmherzig die Schlusssteigerung des vorhergehenden Ton für Ton übernimmt, entfaltet die Verdichtung der Linienführung eine an die alten Niederländer erinnernde großartige Wirkung, während der dazwischen liegende Abschnitt Siehe wir preisen selig vom Ausdruck sanfter Ergebenheit bestimmt ist. Das Werk endet - vierstimmig, wie es begonnen hat - mit einem schlichten Choral, Luthers Paraphrase des kanonischen Canticum Simeonis (Luk. 2, 29-32) und dessen mit Adagio bezeichneten Schlussworten: Der Tod ist mir Schlaf worden. Holger Gilburt

Im Deutschen Requiem vermeidet Brahms den lateinischen Text der katholischen Liturgie und verwendet eine eigene, freie Zusammenstellung von Texten aus der Luther-Bibel. Dies vermittelt einen ganz anderen Blick auf Leid und Tod. Während das herkömmliche lateinische Requiem den Seelenfrieden für die Verstorbenen erfleht, versucht Brahms, den Hinterbliebenen Trost zu bieten. Alec Robertson drückt es so aus: Brahms betet nicht einmal, geschweige denn für die Toten. Die Posaunen des letzten Tages (6.Satz) rufen hier also weniger die Toten vor den Richterstuhl, wie im Dies Irae, sondern sie verkünden die Hoffnung auf die Auferstehung und Vereinigung nach dem Tod (John E. Gardiner). Eine ungemein tröstliche Vorstellung, verheißt es doch, dass der Mensch in seinem Leid nicht alleine ist und dass dieses Leid, bei allem momentanen Schmerz, Perspektiven für Neues enthält.
Die heute erklingende Fassung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms für Chor und vierhändigen Klaviersatz ist eine eigenhändi-ge Bearbeitung des Komponisten. Nachdem die Aufführung des Requiems am Karfreitag 1868 im Bremer Dom vor über 2000 Zuhörern einen grandiosen Erfolg erlebt hatte, folgten in über einem dutzend deutscher Städte weitere Aufführungen, darüberhinaus auch in Basel, Zürich, Utrecht und St.Petersburg.
Wie groß das Interesse im Ausland war, zeigt die Tatsache, dass schon Anfang 1871 in London eine Privataufführung zustande kam, gelei-tet vom Brahmsfreund Julius Stockhausen, dem Dirigenten und Sänger, der sich hier auch als Solist betätigte. Grundlage der Aufführung war eine englische Textfassung und das vom Komponisten selbst erstellte Klavier-Arrangement. Die Bedeutung der vorliegenden Fassung liegt unter anderem in den Ursprüngen der Requiem-Partitur op. 45. Sie basiert in Teilen auf einer Sonate für zwei Klaviere aus dem Jahr 1854, die sich schließlich in das d-moll-Klavierkonzert verwandelte; ein langsames Scherzo im Sarabande-Tempo aus der ursprünglich viersätzigen Sonate aber fand Eingang in eine Trauerkantate auf den Text: Denn alles Fleisch, es ist wie Gras, den späteren zweiten Satz des Requiems. Zudem dachte Brahms beim Komponieren ausdrücklich vom Klavier aus - dies belegen erhaltene Skizzen im quasi Klavierauszug (Mc Corcle), etwa zur Alt-Rhapsodie op.53. Georg Bours

Herbstgedanken – Konzerte November 2008



Herbstgedanken

Samstag, 22. November 2008, 20:00 Uhr in St. Aposteln, Köln Neumarkt
Sonntag, 23. November 2008, 20:00 Uhr Kloster Knechtsteden

Henry Purcell | Funeral Sentences
Henry Purcell | Remember not
Purcell / Sandström | Hear my Prayer, O Lord
Krzysztof Penderecki | Agnus Dei
Johannes Brahms | Schaffe in mir, Gott, ein rein Herz
Johann Sebastian Bach | Jesu meine Freude


Ernst ist der Herbst.
Und wenn die Blätter fallen,
sinkt auch das Herz zu trübem Weh herab.
Still ist die Flur, und nach dem Süden wallen
die Sänger stumm, wie nach dem Grab. - (K. Groth)


Ähnlich wie in der Passionszeit lenken im Spätherbst, nach der Zeit der Ernte und der bunten Blätterpracht, die Zeichen des scheinbaren Verfalls und Verstummens der Natur wie auch die weltlichen und kirchlichen Festkalender die Gedanken auf Tod und Vergänglichkeit. Und wie auf die Passion Ostern folgt, scheint hinter dem Bleigrau von Allerseelen, dem 9. November und Totensonntag das noch schwache Flämmchen des Advents auf. So ist auch dieses Konzertprogramm zwischen Furcht und Hoffnung, Dahingehen und Lebenszusage gespannt, beginnend mit den Trauermotetten der
Funeral Sentences, die Henry Purcell 1694/95 anlässlich der Beisetzung der Königin Mary II. zusammengestellt hat. Neben den Klagen über die Hinfälligkeit und Sündhaftigkeit des Menschen und der Furcht vor dem richtenden Gott ertönt auch die Stimme der Zuversicht auf Gottes Gnade in Christus.
Auch Purcells Remember not führt die Thematik der Funeral Anthems fort: Gott wird angefleht, nicht der eigenen Sünden und derer der Ahnen zu gedenken, sondern um Christi Blut willen sein Volk zu verschonen.

Purcells Hear my prayer beschränkt sich auf einen Vers des 102. Psalms und umkreist seinen Grundaffekt des zweifelvollen Aufschreis my crying in chromatisch angereicherten Durchgängen und den für seinen Stil typischen Dissonanzen, die sich im Verlauf des Stückes buchstäblich anhäufen und erst im letzten Takt zu der nicht sehr zuversichtlichen Grundtonart c-moll auflösend glätten.
Den schwedischen zeitgenössischen Komponisten Sven-David Sandström hat dieses Beharren auf einem Affekt dazu gereizt, Purcells Verfahren auf die gerade noch singbare Spitze zu treiben: Nach etwa drei Vierteln der barocken Vorlage bringt er seinen eigenen Ton in das Werk ein und fächert den Chorklang durch immer neue Stimmteilungen weiter auf. Purcells Motive erklingen zitathaft in ständig neu tonal und atonal beleuchteten Ausschnitten, umgeben von immer dissonanteren Schrei-, Brumm- und Pedaltönen, bis das zart zuversichtliche O Lord langsamst auf ein wahrhaft erlösendes C-Dur hin verebbt.
Krzystof Pendereckis Agnus Dei von 1981, aus den Zeiten des Kriegsrechts im kommunistischen Polen, schichtet in immer neuen Anläufen Klänge des innigen Flehens bis zum energischsten Schrei der in ihrer Schuld befangenen Menschen, bis die Friedensbitte für die Verstorbenen, aber sicher auch für die Lebenden bald stockend, bald zuversichtlich dahinströmend leise verklingt.

Die Zuversicht des Beters in den Versen des 51. Psalms, die Johannes Brahms in seiner Motette Schaffe in mir, Gott vertont, nimmt zunächst in den eher homophonen Passagen des Anfangs und des 3. Teils (Tröste mich wieder) Gestalt an. Momente des Zweifels (Verwirf mich nicht) werden, mit barock-rhetorischer Chromatik versehen, in einer Fuge konzentriert, welche die zagenden Einzelstimmen zu Wort kommen läßt. Der Jubelgesang am Schluß (und der freudige GeistÅ ) kombiniert imitatorische Einsatzfolgen und homophone Abschnitte zum letztlich den Glauben bestätigenden Finale.

Johann Sebastian Bachs Motette Jesu, meine Freude entstand anläßlich der Beisetzung einer Leipziger Patrizierin im Sommer 1723. Der gleichnamige Choral war von der Verstorbenen zu ihrer Trauerfeier ausgesucht worden und das
8. Kapitel aus Paulus` Römerbrief bildete die Grundlage der Gedächtnispredigt.
Bach kombiniert nun fünf Liedstrophen in Choralform als Eck- und Zwischensätze mit unterschiedlich besetzten und geformten imitatorischen Sätzen über die Paulus-Verse, wobei die Fuge Ihr aber seid nicht fleischlich das Zentrum der Motette einnimmt.
Die formalen und inhaltlichen Symmetrien der einzelnen Sätze, z.B. musikalisch identischer Anfangs- und Schlußchoral, Analogien von zweitem und vorletztem Satz, Mittelfuge und die gedankliche und musikalische Verschränkung der Christushoffnung des Lieddichters und der Glaubensaussagen des Paulus durch Bachs Werk schaffen einen vollkommenen, klingenden Organismus, der mit den Mitteln der Tonkunst christliche Glaubenslehre und -praxis sinnlich erfahrbar macht.
Markus Goecke

Hohelied – Konzerte Sommer 2008



Hohelied Salomonis
Samstag, 21. Juno 2008, 20:00 Uhr, St. Andreas
Sonntag, 24. Aug. 2008, 14:30 Uhr Dom zu Altenberg (gekürztes Programm, siehe Hinweise)
Das Hohelied Salomonis in Vertonungen von der Gregorianik bis ins 20. Jahrhundert:
- Gregor, Dunstable, Lasso, Duruflé, Schroeder, Baur u.a.

- Einleitende Orgelimprovisation*
- Gregorianik, Tota pulchra est, Quam pulcha est*
- Duruflé, Choralmotetten*
- Dunstable, Quam pulchra est*
- Hermann Schroeder, Hohe Lied Motetten I u. II
- Jean Langlais, Arabesque sur les Lutes
(aus der Suite Francaise orgel solo)*
Agricola, Belle sur toutes*
- Lasso, Veni dilecte - Videamus
- Palestrina, Introduxit me Rex , Sicut Lilium inter Spinas
- Melchior Franck, Fünf Hohelied Motetten
- Louis Vierne, Étoile du Soir
(aus den Pièces des Fantaisie orgel solo)*
- Jürg Baur, Die Blume des Scharon. Drei lyrische Motetten - Der Konponist ist anwesend
ForumVocale Köln
Chor und Ensemblesolisten
Christoph Kuhlmann*
Orgel
Gesamtleitung Georg Bours
*) aufgrund zeitlicher Beschränkung leider nicht im Konzert am 24. Aug. 2008 im Dom zu Altenberg

Das Hohelied Salomonis im Alten Testament ist wohl das heiterste, diesseitigste Buch der biblischen Schriften: Höfische und volkstümliche Hochzeits- und Liebeslieder aus dem alten Israel bilden einen Reigen von Brautge-sängen, Sehnsuchts- und Erfüllungsliedern. Sie preisen die Schönheit des und der Geliebten und die Wonnen der Zärtlichkeit in Bildern aus dem Hofleben, der Stadt Jerusalem, besonders aber aus den Bereichen der frühlingshaften Natur sowie den Sphären des Hirtenwesens und des Gartenbaus.

Die jüdische Tradition überlieferte diese oft nur fragmentarisch erhaltenen Texte, da sie als Dichtungen des Königs Salomo, ca. 965-926 v. Chr. galten, dem auch einzelne Psalmen und die Bücher der Sprüche und der Weisheit zugeschrieben wurden. Aufnahme in die hebräische Bibel fanden sie erst nach heftigen Diskussionen, nachdem sich ihre allegorisch-symbolische Deutung etabliert hatte: all die besungenen Ebenen der zwischenmenschlichen Liebe wurden gedeutet als Erscheinungsformen der Liebe Gottes zum Volk Israel und umgekehrt. Diese Symbolik übertrugen die Christen der Spätantike auf ihre Situation und erklärten das Hohelied zum Liebeslied Christi und der Kirche. Im Mittelalter kamen noch Deutungsebenen hinzu: in der jüdischen und christlichen Mystik diente der Bilderreichtum des Hoheliedes der Versenkung des frommen Individuums in die Geheimnisse der Liebe Gottes zum Einzelnen und seiner Liebe zu Gott. Ferner fand das Hohelied Eingang in die Marienverehrung, die Brautlieder und -Verse wurden auf die Mutter Jesu projiziert.

Während im Protestantismus nur die Sichtweise des Hohenliedes als Symbol der Beziehung Gott - Kirche bzw. Christus - Seele lange erhalten blieb, hat die katholische Liturgie auch den Bezug zur Marienverehrung weiter gepflegt und so sind vom gregorianischen Choral über die Marienminne der Gegenreformation (Lasso, Palestrina) bis zur Gegenwart Verse des Hohenliedes als Motetten vertont worden. Um 1600 wiederum entdeckten die evangelischen Komponisten den ursprünglichen Charakter der Brautlieder wieder (Franck, Schein, Scheidt, Schütz etc.) und überführten sie in Richtung des weltlichen Madrigals, doch finden sich noch in Bachs Passionen Sehnsuchtsverse aus dem Hohenlied als Klagen der Braut Kirche um den Seelenbräutigam Christus.

Nach dem II. Weltkrieg entdeckten Komponisten das Hohelied neu und formten seither Stücke, die an die Motetten und Madrigale des 16./17. Jhdts. anknüpfen, dabei jedoch auch ganz neue, freie Klänge wagen.

Markus Goecke

Nacht und Morgen – Konzerte März 2008



Passion u. Vernissage der Ausstellung - Nacht und Morgen - WALTER PRINZ, Köln
Sonntag, 09. März 2008, 16:00 Uhr St. Aposteln Köln und
Passionsmusik von
- J.M.Bach u. J.H.Schein, Motetten
- C. Gesualdo da Venosa u. Fr. Cavalli, Salve Regina

Freitag, 14. März 2008, 19:30 Uhr St. Maria Lyskirchen, Köln
- J.M.Bach u. J.H.Schein, Motetten
- C. Gesualdo da Venosa u. Fr. Cavalli, Salve Regina
- D. Scarlatti, Stabat Mater zu 10 Stimmen

Musik zur Kunst | Finissage der Ausstellung - Nacht und Morgen - Walter Prinz, Köln
Sonntag, 06. April 2008, 18:00 Uhr St. Aposteln, Köln
- D. Scarlatti, Stabat Mater zu 10 Stimmen
- Johann Bach, Unser Leben ist ein Schatten
- Henry Purcell, Chacony in g-moll
- J.S.Bach, Kantate Christ lag in Todesbanden BWV 4

ForumVocale Köln
Chor und Ensemblesolisten
Ensemble 07 Ltg. Jutta Herbold

Gesamtleitung Georg Bours


NACHT UND MORGEN FINISSAGE DER AUSSTELLUNG

So wie die in St. Aposteln ausgestellten Bilder von Walter Prinz zum Passions- und Ostergeschehen den Glaubensweg vom bedrängten Leben durch Furcht, Schuld, Leid und Tod hin zu neuer Hoffnung und ewigem Leben symbolisieren, will das heutige Konzert des ForumVocale Köln in den Klängen barocker Musiksprache zu Passion und Ostern einladen, diesen Weg hörend mitzugehen.

Domenico Scarlattis Stabat Mater nachvollzieht in der affektvollen Klangrede des italienischen Spätbarock den bild- und emotionssatten Hymnus des 13. Jhdts., in dem der Gläubige von der Betrachtung über das Mit-Leiden mit Maria unter dem Kreuze Christi bis zu beinahe extatischer Erlösungsgewissheit gelangt.

Wie Schütz, Schein und Scheidt von den Schrecken des 30jährigen Krieges geprägt, hat der Erfurter Organist Johann Bach den allgegenwärtigen Tod durch die Erlösungshoffnung auf das ewige Leben mit Christus zu bannen versucht, und doch überwiegt in seiner bildreichen Motette Unser Leben ist ein Schatten der resignative Aspekt der Unausweichlichkeit des Todes.

Henry Purcells Chacony in g ist ein Beispiel für die Tendenz des Barock, Tänze in instrumentale Charakterstücke umzuformen: Der rhythmus- und harmoniebestimmende Grundbass des ernsten Schreittanzes Chaconne wird zum Ostinato eines Orchestersatzes, dessen Oberstimmen das harmonische Gerüst durch immer neue Figurationen gewissermaßen umranken und kommentieren.
Das Spannungsverhältnis zwischen dem starren Schreitmotiv des Basses und den emanzipationsfreudigen Oberstimmen, die aber wieder in den Grundaffekt einmünden, kann die Chaconne zu einem Symbol des menschlichen Lebens-Weges machen.

In J.S. Bachs früher Oster-Choralkantate Christ lag in Todes Banden lenkt das Orchester mit der einleitenden Streicher-Sinfonia den Blick zunächst zurück auf die bange Trauer des Karsamstags, bevor im Eingangschor der Osterchoral hell und klar über Tod und Vergänglichkeit hinwegtönt.
Die weiteren Strophen bieten, hierin in ihren wechselnden Stimmkombinationen stets neue Variationen der Choralmelodie. Das jeden Vers beschließende Halleluja wird unter Bachs Hand zum immer weiter ausufernden Jubel über die Wunder von Auferstehung und Erlösung.

Markus Goecke


NACHT UND MORGEN ANTWORTEN IN MUSIK

Aus der Nähe betrachtet, zeigen die Bilder von Walter Prinz Kuben, Rechtecke, Kanten und türmen Farbauftrag um Farbauftrag in fast schon barocker Pracht.

Erst mit dem Blick aus der Ferne erschließen sich aus den Farbflächen Figuren, die Bewegungen einfangen, Geschichten erzählen und Emotionen wecken.

Verrat, Peinigung, falsches Gericht oder auch Einsamkeit sind fühlbar, - verdichten sich zur universalen Klage. Zugleich entsteht dabei der Eindruck von etwas gänzlich Anderem, Positiven auf das die Figuren hinweisen, in dem die Bilder förmlich leuchten. Diese Bilder reflektieren MenschSein wie menschliche Abgründe und reden über Dinge, die mit Worten so schwer zu fassen sind.

Das Stabat Mater von Domenico Scarlatti können wir wie eine vielstimmigen Entsprechung dieser universalen Klage hören, reflektieren mit Johann Bach hiernach die Vergänglichkeit und Verletzlichkeit des menschlichen Lebens und können bei den getragenen Klängen einer Purcell´schen Chacony gleichsam durch die eigenen Gedanken schreiten.

In der Eingangs-Sinfonia zu Christ lag in Todes Banden finden wir die universale Klage als Gebet und wenden dann mit einem Augenblick den Blick in österliche Licht. Wir erleben den Kampf des Lebens mit dem Tod und finden uns schliesslich Im Sonnenschein an Tischen mit österlichen Fladen...

Reinold Zervas

Weihnachtsmusik – Konzerte Dezember 2007



Chormusik zur Weihnacht

Samstag, 15.12.2007, 19:00 Uhr St. Maria-Königin, Marienburg, Goethestrasse und
Sonntag, 16.12.2007, 16:00 Uhr St. Aposteln, Köln-Neumarkt
Chorsätze zur Weihnacht von:
- G.P. da Palestrina, H.L. Hassler, G. Raw,
- H. Schütz, T.L. da Victoria, G.Gabrieli, J.M. Bach, Cl. Monteverdi

Das diesjährige Adventskonzert des ForumVocaleKöln spannt einen inhaltlichen Bogen von den Heilserwartungen und Verheißungen des Alten Testaments bis zur Friedenshoffnung und Bitte der heutigen Zuhörerschaft als Gemeinde.

Die Gottessehnsucht des Psalmisten (Palestrina, Sicut cervus), die Prophezeiungen Jesaias (Brahms, O Heiland, reiß die Himmel auf) und die Hoffnung der Christenheit (Rhaw, Nun komm, der Heiden Heiland) finden ihr Ziel in den Heilsworten aus der Eröffnung des Johannesevangeliums (Hassler, Verbum caro factum est).
Die Werke von Victoria, Ne timeas Maria und Förster, Vom Himmel hoch beleuchten Episoden des eigentlichen Heilsgeschehens von der Verkündigung an Maria über ihre Antwort, ihren berühmten Lobgesang (Monteverdi, Magnificat) bis zur Geburt Jesu in Bethlehem, die in den Worten der Engel an die Hirten und letztlich an alle Menschen guten Willens kundgetan wird.
In Gabrielis Psalmmotette Plaudite und Pevernages Weihnachts-Gloria stimmen gewissermaßen Menschen- und Engelschöre klangprächtig in das überwältigende Gotteslob über das Wunder der Weihnacht ein, Poulencs Quatre Motets pour le temps de Noel hingegen betonen das mystisch-zarte des Heilsgeschehens, in dem die starken oder herben Klänge dem Hereinbrechen des Himmlischen in das Irdische Ausdruck verleihen.
Motetten aus Schütz` Geistlicher Chormusik schließlich stellen den Bezug zur antwortenden Betrachtung des Heilsgeschehens durch die christliche Gemeinde her: Grund und Wesen der Menschwerdung Christi werden zusammengefasst (Es ist erschienen); zudem ertönt, wie am Jahresende bzw. zum Jahreswechsel üblich, die Friedensbitte der hoffenden Menschheit.
Markus Goecke

Spiegelungen
Samstag, 15.09.2007, 20:00 Uhr St. Andreas, Köln und
Sonntag, 16.09.2007, 16:00 Uhr St. Aposteln, Köln-Neumarkt
Sonntag, 23.09. Kamp-Lintfort
- J. des Prez, Missa Pange Lingua
(Ensemble-Solisten)
- J. Langlais, Messe Solennelle
- Orlando di Lasso, Salve Regina (solistisch)
- Francis Poulenc, Salve Regina
- Olivier Messiaen, O Sacrum Convivium
- Ludovico Viadana, O Sacrum Convivium

Das Programm Spiegelungen stellt Werke miteinander in Beziehung, die jeweils derselben Gattung (Messe bzw. Motette) angehören und den jeweils gleichen Text zur Grundlage haben.

Orlando di Lasso (1532-`94) vertont den Kompletgesang Salve Regina in zunächst breit dahinströmender Sechsstimmigkeit, die aber nach der ersten Anrufung in bald hohe, bald tiefe Stimmkombinationen differenziert wird. Die zentrale Bitte illos tuos misericordes oculos ad nos converte erklingt in drängendem Dreier-Takt bei völliger Homophonie; die weiteren Anrufe schwingen in geradtaktig polyphon geführten Motiven aus.

Francis Poulenc (1899-1963) beschränkt sich auf reine Vierstimmigkeit und fast völlig homophonen Vortrag, der jedoch durch eine sehr differenzierte Dynamik und einen trotz aller Dissonanzen sehr weichen Klang intensiviert wird. Die noch entfernt an den gregorianischen Choral erinnernde kleinteilige Motivik stiftet durch Wiederholungen und Variantenbildungen Abwechslung und Zusammenhang zugleich.

Mit dem O sacrum convivium vertont der Mit-Erfinder des barocken Vokal-Konzerts Ludovico Viadana (1564-1645) einen Hymnus auf das Hl. Messopfer. Ähnlich wie bei Lassos Salve Regina ist der Mittelteil der Motette - mens impletur gratia- durch den geschwinden Dreiertakt von dem polyphoneren Eingangssatz abgehoben. Der Mittelsatz beruhigt sich am Versende, um Platz für den in Stimmpaaren geführten Alleluia-Jubilus zu machen.

Die ehrfurchtsvoll-mystische Annäherung an das Abendmahl lässt Olivier Messiaen (1908-`92) in seinem O sacrum convivium (1937) einen Chorklang finden, der den tiefen Registern der Orgel verwandt ist. Aus den dichten Akkorden mit ihren engräumigen Ton- und Klang-Fortschreitungen erhebt sich zunächst nur der Sopran mit expressiven Motiven; erst die hoffnungsvolle Zeile - et futurae gloriae - reißt den ganzen Chor in verzückte Höhen. Doch bereits das Alleluia sinkt zurück in die mystischen Tiefen des Anfangs der Motette, dessen Wiederholung sie beschließt.

Die letzte Messe des frankoflämischen Fürsten der Musik Josquin Des Prez (1440?-1521) basiert mit ihrem musikalischen Material auf dem hoch- mittelalterlichen Fronleichnamshymnus Pange lingua. Wie Josquin im Verlauf des Ordinariums die Motive zitiert, kombiniert, variiert und mit eigenen motivischen Bausteinen verknüpft und anreichert und doch bei aller kontrapunktischen Kunstfertigkeit den liturgischen Text zum Klingen bringt, hat schon im 16. Jhdt. höchste Bewunderung erregt. Selbst die oft ausgedehnten zweistimmigen Passagen sind voll klangvoller Bewegtheit.

Jean Langlais` (1907-`91) Messe solennelle (1950) ist eine Art Synthese der romantischen und nachromantischen großen Orgel- und Chortradition Frankreichs mit den Klangmitteln des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts. Wenngleich der Komponist in Orgel- und Chorpart vor größter dynamischer Entfaltung und sperrigsten Akkorden nicht zurückscheut, lässt sich doch das musikalische Material der Themen und Motive oft bis auf gregorianische Gesänge zurückführen und selbst die klang- und ausdrucksstärksten Dissonanzen münden oft wieder in pure, bekräftigende Durakkorde.
Markus Goecke

Spiegelungen – Konzerte August 2007



Spiegelungen
Samstag, 15.09.2007, 20:00 Uhr St. Andreas, Köln und
Sonntag, 16.09.2007, 16:00 Uhr St. Aposteln, Köln-Neumarkt
Sonntag, 23.09. Kamp-Lintfort

- J. des Prez, Missa Pange Lingua
(Ensemble-Solisten)
- J. Langlais, Messe Solennelle
- Orlando di Lasso, Salve Regina (solistisch)
- Francis Poulenc, Salve Regina
- Olivier Messiaen, O Sacrum Convivium
- Ludovico Viadana, O Sacrum Convivium

Das Programm Spiegelungen stellt Werke miteinander in Beziehung, die jeweils derselben Gattung (Messe bzw. Motette) angehören und den jeweils gleichen Text zur Grundlage haben.

Orlando di Lasso (1532-`94) vertont den Kompletgesang Salve Regina in zunächst breit dahinströmender Sechsstimmigkeit, die aber nach der ersten Anrufung in bald hohe, bald tiefe Stimmkombinationen differenziert wird. Die zentrale Bitte illos tuos misericordes oculos ad nos converte erklingt in drängendem Dreier-Takt bei völliger Homophonie; die weiteren Anrufe schwingen in geradtaktig polyphon geführten Motiven aus.

Francis Poulenc (1899-1963) beschränkt sich auf reine Vierstimmigkeit und fast völlig homophonen Vortrag, der jedoch durch eine sehr differenzierte Dynamik und einen trotz aller Dissonanzen sehr weichen Klang intensiviert wird. Die noch entfernt an den gregorianischen Choral erinnernde kleinteilige Motivik stiftet durch Wiederholungen und Variantenbildungen Abwechslung und Zusammenhang zugleich.

Mit dem O sacrum convivium vertont der Mit-Erfinder des barocken Vokal-Konzerts Ludovico Viadana (1564-1645) einen Hymnus auf das Hl. Messopfer. Ähnlich wie bei Lassos Salve Regina ist der Mittelteil der Motette - mens impletur gratia- durch den geschwinden Dreiertakt von dem polyphoneren Eingangssatz abgehoben. Der Mittelsatz beruhigt sich am Versende, um Platz für den in Stimmpaaren geführten Alleluia-Jubilus zu machen.

Die ehrfurchtsvoll-mystische Annäherung an das Abendmahl lässt Olivier Messiaen (1908-`92) in seinem O sacrum convivium (1937) einen Chorklang finden, der den tiefen Registern der Orgel verwandt ist. Aus den dichten Akkorden mit ihren engräumigen Ton- und Klang-Fortschreitungen erhebt sich zunächst nur der Sopran mit expressiven Motiven; erst die hoffnungsvolle Zeile - et futurae gloriae - reißt den ganzen Chor in verzückte Höhen. Doch bereits das Alleluia sinkt zurück in die mystischen Tiefen des Anfangs der Motette, dessen Wiederholung sie beschließt.

Die letzte Messe des frankoflämischen Fürsten der Musik Josquin Des Prez (1440?-1521) basiert mit ihrem musikalischen Material auf dem hoch- mittelalterlichen Fronleichnamshymnus Pange lingua. Wie Josquin im Verlauf des Ordinariums die Motive zitiert, kombiniert, variiert und mit eigenen motivischen Bausteinen verknüpft und anreichert und doch bei aller kontrapunktischen Kunstfertigkeit den liturgischen Text zum Klingen bringt, hat schon im 16. Jhdt. höchste Bewunderung erregt. Selbst die oft ausgedehnten zweistimmigen Passagen sind voll klangvoller Bewegtheit.

Jean Langlais` (1907-`91) Messe solennelle (1950) ist eine Art Synthese der romantischen und nachromantischen großen Orgel- und Chortradition Frankreichs mit den Klangmitteln des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts. Wenngleich der Komponist in Orgel- und Chorpart vor größter dynamischer Entfaltung und sperrigsten Akkorden nicht zurückscheut, lässt sich doch das musikalische Material der Themen und Motive oft bis auf gregorianische Gesänge zurückführen und selbst die klang- und ausdrucksstärksten Dissonanzen münden oft wieder in pure, bekräftigende Durakkorde.
Markus Goecke

Konzert März 2007



Konzert März 2007


Antonio Lotti (1666 - 1740)
Crucifixus à 6 (solistisch)

Orlando di Lasso (1532 - 1594)
Timor et tremor à 6 (1564) (solistisch)

G. P. da Palestrina (1525 - 1594)
Stabat mater à 8 (ca. 1568) (solistisch)

Sven-Erik Bäck (1919 - 1994)
Ecce ascendimus Jerosolymam (1965)
aus: Motetti pro anno liturgico

Zoltán Kodály (1882 - 1967)
Jesus und die Krämer (1934)

Francis Poulenc (1899 - 1963)
Quatre motets pour un temps de pénitence (1938/39)
1. Timor et tremor
2. Vinea mea electa
3. Tenebrae factae sunt
4. Tristis est anima mea

Heinrich Kaminski (1886 - 1947)
Der 130. Psalm Aus der Tiefe op. 1 a (1912)

Heinrich Schütz (1585 - 1672)
Die mit Tränen säen SWV 378 à 5
So fahr ich hin zu Jesu Christ SWV 379
Nr. 10 und 11 aus Geistliche Chormusik op. 11 (1648)


Antonio Lotti
Crucifixus
Er wurde auch für uns gekreuzigt, unter Pontius Pilatus hat er gelitten und ist
bestattet worden.
(aus dem Apostolischen Glaubensbekenntnis)


Orlando di Lasso
Timor et tremor
1. Teil:
Furcht und Zittern sind über mich gekommen und Finsternis fiel über mich her:
Erbarme dich meiner, Herr, denn auf dich vertraute meine Seele.
2. Teil:
Erhöre, Gott, mein Flehen, denn meine Zuflucht bis du und ein starker Beistand.
Herr, ich rief dich an, ich werde nicht in die Irre gehen.
(Verse aus den Psalmen 54, 30 u.a.)


G. P. da Palestrina
Stabat mater
1. Die Mutter stand in Schmerzen und weinend unter dem Kreuz, an dem ihr Sohn hing.
2. Durch ihre klagende, gepeinigte und schmerzerfüllte Seele ging das Schwert.
3. Wie elend und betrübt war die gesegnete Mutter des eingeborenen Sohnes,
4. die da trauerte und Schmerz empfand und bebte, als sie die Leiden ihres ruhmreichen Sohnes sah.
5. Welcher Mensch weinte nicht, sähe er die Mutter Christi in solcher Not?
6. Wer litte nicht mit, sähe er die liebende Mutter die Leiden ihres Sohnes betrachten?
7. Für die Sünden seines Volkes sah sie Jesus in Qualen und der Geißel unterworfen.
8. Sie sah ihren süßen Sohn einsam sterben, als er seinen Geist aufgab.
9. Mutter, du Quell der Liebe, lass mich die Gewalt des Kummers fühlen, auf dass ich mit dir trauere.
10. Gib, dass mein Herz glühe in Liebe zu Christus, unserem Gott, damit ich ihm wohlgefalle.
11. Heilige Mutter, gewähre doch, dass die Wunden des Gekreuzigten sich tief in mein Herz graben.
12. Teile mit mir die Qualen deines verwundeten Sohnes, der sich herabließ, so für mich zu leiden.
13. Lass mich mit dir, du Getreue, weinen, den Gekreuzigten beklagen, so lang ich lebe
14. Unter dem Kreuz mit dir zu stehen und mich mit dir im Kummer zu verbünden begehre ich.
15. Jungfrau aller Jungfrauen, sei mir doch nicht bitter gesonnen, lass mich mit dir trauern.
16. Lass mich Christi Tod tragen, lass mich Gefährte seines Leidens sein und seiner Wunden gedenken.
17. Gib, dass seine Wunden mich verwunden, trunken will ich sein vom Kreuz und Blut deines Sohnes,
18. entflammt und glühend möchte ich von dir, o Jungfrau, verteidigt werden am Tage des Gerichts.
19. Gib, dass das Kreuz mich schütze, dass Christi Tod mich schirme und die Gnade mich mit Kraft erfülle.
20. Wenn mein Körper stirbt, gewähre, dass meiner Seele vergönnt sei des Paradieses Herrlichkeit.
(Andachtsgedicht aus Italien, ca. Mitte des 13. Jhdts.)


Sven-Erik Bäck
Ecce ascendimus Jerosolymam
Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem und alle Dinge werden vollendet, die durch die Propheten geschrieben sind über den Menschensohn. Denn er soll den Heiden ausgeliefert, verhöhnt, gegeißelt und bespuckt werden, und nachdem sie ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und am dritten Tage wird er auferstehen.
Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem.
(Lukasevangelium, Kap. 18, V. 31-34)


Zoltán Kodály
Jesus und die Krämer
Da die Ostern nahten, zog Jesus hinauf gen des heiligen Tempels Stadt Jerusalem. Und fand des Tempels Hof mit Rind- und Schaf- und Taubenhändlern voll; und Geldwechsler spreizten sich weit und breit.
Er griff eine Geißel auf und fort jagt er alle vom Tempelhof. Trieb die Ochsen fort, trieb die Schafe fort aus dem Tempel. Schon drängt sich alles Vieh angstvoll und hastig zum Tor hinaus. Wie da rennt und rummelt alles Rind und Schaf! Wie die Menge wirbelt! Mensch und Vieh und Haufen drängt sich durcheinander wild zum Tor hinaus! Alles läuft und drängt.
Und der Geldwechsler Münzen schüttet er aus und stieß ihre Geldbank zürnend um. Und das Geld der Schachrer warf und schüttet er aus. Er griff eine Geißel auf und fort jagt er alle vom Tempelhof.
Und zu all jenen Taubenhändlern sprach er: Schafft mir doch all das von dannen!
Nicht sollt ihr entweihen meines Vaters Haus durch Schächerei!
Und zu jenen sprach er: Stehts nicht geschrieben: Dies mein Haus ist Stätte des Gebetes, allem Volk zu Teil. Ihr jedoch, was macht ihr daraus? Was ward daraus nun? Gottlos Mördergrube!
Dies vernehmend Schriftgelehrten und Hohenpriester suchten sie ihn dem Tod zu weihn, denn Angst fasste sie alle, dieweil all die Menge kam, alles Volk Jesum nur anhing und folgte ihm nach.
(Deutsch von B. Szabolcsi nach den Evangelienberichten über die Tempelreinigung)


Francis Poulenc
Quatre motets pour un temps de pénitence
1. Timor et tremor
(Text siehe O. di Lasso, Timor et tremor)
2. Vinea mea electa
Mein erwählter Weingarten, ich habe dich gepflanzt; wie bist du in Bitterkeit verkehrt worden, dass du mich kreuzigst und Barrbbas freilässt? Ich habe dich eingezäunt und Steine aus dir entfernt und einen Turm (zu deinem Schutz) gebaut.
Wie bist du in Bitterkeit verkehrt worden, dass du mich kreuzigst und Barabbas freilässt? Mein erwählter Weingarten, ich habe dich gepflanzt; wie bist du in Bitterkeit verkehrt worden, dass du mich kreuzigst und Barabbas freilässt?
(Bibelverse und freie Nachdichtung)
3. Tenebrae factae sunt
Finsternisse geschahen als die Juden Jesus kreuzigten; und um die neunte Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Und mit geneigtem Haupt gab er den Geist auf.
Mit lauter Stimme rufend sprach Jesus: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Und mit geneigtem Haupt gab er den Geist auf.
(Kombination aus den Passionsevangelien nach Matthäus, Markus & Lukas)
4. Tristis est anima mea
Meine Seele ist betrübt bis auf den Tod. Bleibt hier und wacht mit mir: Schon seht ihr die Menge, die mich umringen wird. Ihr werdet die Flucht ergreifen, ich aber gehe, um für euch geopfert zu werden.
Siehe es naht die Stunde und der Menschensohn wird in der Sünder Hände überliefert.
Meine Seele ist betrübt ...
(nach Matthäus, Kap. 26, V. 38 u. 45)


Heinrich Kaminski
Der 130. Psalm
1. Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme!
Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens. So du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir, Herr, ist die Vergebung, dass man dich fürchte.
2. Solo: Ich harre auf den Herren, meine Seele harrt und ich hoffe auf sein Wort;
meine Seele harrt von einer Morgenwache bis zur anderen.
Chor: Ich harre auf den Herren und hoffe auf sein Wort.
3. Israel, Israel, hoffe auf den Herrn, denn bei dem Herren ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm. Und er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.
(nach der Bibelübersetzung M. Luthers)


Heinrich Schütz
Die mit Tränen säen
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
(Psalm 126, V. 5 u. 6)

So fahr ich hin zu Jesu Christ
So fahr ich hin zu Jesu Christ, mein Arm tu ich ausstrecken:
So schlaf ich ein und ruhe fein, kein Mensch kann mich aufwecken,
denn (= als) Jesus Christus, Gottes Sohn,
der wird die Himmelstür auftun,
mich führen zum ewigen Leben.
(nach N. Hermann, Wenn mein Stündlein vorhanden ist, Strophe 5)

Das Konzert des Forum-Vocale-Koeln zur Fastenzeit 2007 stellt unter dem beherrschenden Bild des Gekreuzigten, wie es uns in A. Lottis Crucifixus begegnet, den Leidens- und Heilsweg Jesu in seiner Passion dar. Bußpsalmverse, Andachtstexte und Kirchenliedstrophen verknüpfen dieses Geschehen mit dem anteilnehmenden Miterleben und Mitklingen...

Während der im frühen 18. Jhdt. v.a. in Venedig und Dresden berühmte Antonio Lotti mit hochbarockem Pathos dem Glaubenssatz der Passion Klanggestalt verleiht, reiht Orlando di Lasso in den Bußpsalmversen des Timor et tremor in langen Klangbögen Dissonanzen und abrupte Tonartenwechsel über- und hintereinander:
Furcht und zaghafte Hoffnung der gläubigen Seele werden gleichermaßen sinnfällig.
Palestrinas doppelchöriges Stabat mater vermeidet dagegen alle Extreme, obwohl er nichts geringeres vertont, als die Schmerzen Marias unter dem Kreuz Christi und den mystischen Wunsch des betrachtenden Christen, an diesem Leiden teilzuhaben. In der scheinbar klassischen Schlichtheit des musikalischen Satzes sind es die melodischen, harmonischen und rhythmischen Details, die Anteilnahme und Identifikation wecken.
Mit den Motetten von Bäck, Poulenc und Kodály zeichnet dieses Konzert den Passionsweg Jesu vom Einzug in Jerusalem bis zum Kreuzestod nach: Der Schwede Bäck vertont einen Ausschnitt einer der prophetischen Reden Jesu aus dem Lukasevangelium; bei letztlich tonaler Basis seiner Musiksprache dienen die Dissonanzschichtungen und rhythmischen Differenzierungen einer quasi barocken musikalisch-rhetorischen Nachzeichnung der im Text vorhergesagten Ereignisse.
Zoltán Kodálys berühmtes Jesus und die Krämer schildert in drastischer Klangsprache und gestischer Bildhaftigkeit die sog. Tempelreinigung Jesu, deren Heftigkeit die Jerusalemer Obrigkeit zu seiner Verhaftung antreibt. Das erregte Geschehen wird jedoch eingebettet in Klänge verheißungsvoller Erhabenheit am Anfang und Schluss der Motette.
Francis Poulenc vertont in seinen Quatre motets Verse aus den katholischen Liturgien der Karwoche, die Jesus im Garten Gethsemane (Nr.1 u. 4), angesichts des ihn verachtenden Volkes (Nr. 2) und in der Verlassenheit seiner Todesstunde (Nr. 3) zeigen. Mystische Ergebenheit und Ergriffenheit wechseln in diesen Stücken mit Klängen des anklagenden Entsetzens.
Heinrich Kaminskis 130. Psalm schlägt die Brücke zurück zur bußfertigen und doch hoffnungsvollen Gemeinde. Die Exaltiertheit der Zerknirschung im 1. Satz und die geradezu wild bewegte Erlösungszuversicht des 3. Satzes löst sich im Mittelsatz mit seinem ergreifenden Sopransolo über dem ruhig dahinschreitenden Chor-Choral in beinahe kindlich vertrauensvolle Gottesgewissheit.
Heinrich Schütz schließlich bietet den Ausblick auf das Ziel menschlichen Leidens und Hoffens: die in verzweiflungsvoll langen, dissonanzenreichen Melodiebögen besungenen Tränen der Bekümmerten Die mit Tränen säen werden ihren Lohn in Tanz - werden mit Freuden ernten - und reicher Ernte der erlittenen Lebensmühen finden. Selbst der Tod hat durch Jesu Leid, Sterben und Auferstehen seinen größten Schrecken verloren und ist ein Durchgang zum ewigen, gänzlich verwandelten Leben in Gott geworden So fahr ich hin zu Jesu Christ.
Einführung, Übersetzungen und Anmerkungen von Markus Goecke